Fertigfutter


Kapitel

Allgemeines

Deklaration

Pelletfutter

Extrudate



Allgemeines

Im Handel werden für fast alle Tierarten spezielle Fertigfutter in unterschiedlichsten Varianten angeboten.


Unterschieden werden nach der GV-Solas (1996):

  • Alleinfutter: Mischfuttermittel welche die Tiere mit allen notwendigen Nährstoffen versorgen sollen
  • Ergänzungsfutter: Mischfuttermittel die in Ergänzung eines anderen Futtermittels den Bedarf des Tieres decken
  • Futtermittel für besondere Ernährungszwecke: Mischfuttermittel mit einer besonderen Zusammensetzung oder Herstellung und somit zur Deckung besonderer ernährungsphysiologischer Bedürfnisse geeignet

Zudem wird unterschieden:

  • Einzelfuttermittel: Hierzu gehören hauptsächlich die verschiedenen Getreidearten wie z. B. Weizen und Gerste sowie Ölkuchen und Schrote beispielsweise aus Soja und Raps. Auch Nebenprodukte aus der Ernährungswirtschaft (z. B. aus Mehlmühlen, Molkereien, Brauereien, Ölmühlen, Zuckerfabriken) zählen hierzu
  • Mischfutter: Entstehen durch das Vermischen von Einzelfuttermitteln


Im Heimtierfutter finden sich häufig folgende Komponenten:

  • Pellets
  • Extrudate
  • Flocken
  • gepopptes Getreide
  • naturbelassene, getrocknete Pflanzen und Saaten



Deklaration

Tiernahrung für unterliegt laut geltendem Futtermittelrecht der Kennzeichnungspflicht. Die Deklaration umfasst den Gehalt an Inhaltsstoffen sowie die Zusammensetzung.

Der Gehalt an Inhaltsstoffen wird im Labor ermittelt (Artikel: Futtermittelkunde - Futtermittelanalyse). Hierbei müssen allerdings futtermittelrechtlichen Toleranzen sowie Analysenspielräume bei der Zusatzstoffanalyse beachtet werden. So ist im Rinderfutter beispielsweise eine Abweichung von 12,5 % beim angegebenen Rohproteingehalt (8 - 24 %) zulässig. Bei 10 - 19 % Rohfaser dürfen die Angaben um 17,5 % abweichen. Bei Angaben von 1 - 4 % bei Calcium, Kalium, Magnesium und Natrium darf der Gehalt nach unten um 20 %, nach oben sogar um 40 % abweichen. Für angegebene Zusatzstoffe gelten neben der technischen Toleranz zusätzlich Analysenspielräume. Wenn ein festgelegter Höchstgehalt nicht überschritten wird, darf die Abweichung des angegebenen Gehaltes nach oben bis zum Dreifachen der Toleranz betragen. Es ist nicht entscheidend, ob die Zusatzstoffe zugesetzt werden oder nativ enthalten sind. Unter 0,5 Einheiten beträgt die Toleranz bis 40 %, bei 1000 und mehr Einheiten 10 %. Der Analysespielraum für beispielsweise Cystin bei einem ermittelten Gehalt von 0,08 - 0,3 % darf 20 % des relativen Gehalts (bezogen auf den ermittelten Gehalt) betragen, auch bei Kupfer sind es bei 9 – 550 mg/kg ermitteltem Gehalt 20 % Analysespielraum. Für Vitamin E im Rinderfutter bei 188 – 17700 mg/kg der Analysenspielraum 16 %. Ein solches Futtermittel kann beispielsweise mit 2000 mg Vitamin E/kg deklariert sein. Abzüglich 10 % Toleranz dürfte das Futter 1800 mg/kg enthalten. Würde eine Futtermittelanalys nur 1600 mg/kg ergeben wäre das durch den Analysespielraum von 16 % (also 256 mg/kg) noch im rechtlichen Rahmen (Meyer 2013).


Bei der Zusammensetzung werden verschiedene Deklarationen unterschieden:

  • Geschlossene Deklaration: Bei der geschlossenen Deklaration wird die zugelassene Angabe der sogenannten Futtermittelgruppen gewählt. Diese werden in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile aufgelistet. Einzelfutter gleicher Art werden zu begrifflich definierten Kategorien zusammengefasst und gemeinsam deklariert. Diese Form der Deklaration lässt keinen Rückschluss auf die verarbeiteten Rohstoffe zu.
  • Offene Deklaration: Bei der offenen Deklaration hingegen werden die einzelnen Inhaltsstoffe aufgeführt. Eine offene Deklaration ist im Heimtierbereich nicht üblich, da über die Angabe der halboffenen Deklaration hinaus auch jeweils der enthaltene Prozentanteil hinter jeder einzelnen Komponente stehen muss.
  • Halboffene Deklaration: Die einzelnen Futterkomponenten werden in der Reihenfolge ihrer relativen Menge bezogen auf die Frischsubstanz angegeben.



Pelletfutter

Pellets sind kleine Körper aus verdichtetem Material in Kugel- oder Zylinderform. Das Verfahren zur Herstellung wird als Pelletierung bezeichnet.

Viele Futterpellets bestehen größtenteils aus sehr feinen Partikeln. Eine Untersuchung verschiedener herkömmlicher Futterpellets zeigte, dass der Anteil an Partikeln kleiner als 1,4 mm bei 89 % liegt (Fritz 2007).

Die Pelletierung erfolgt in Pelletpressen. Dabei können unterschiedliche Verfahren und Ausgangsprodukte angewendet werden.

Grob können beim Verfahren dabei zwischen heißgepressten und kaltgepressten Pellets unterschieden werden. Zur Herstellung werden die Ausgangprodukte durch eine Stahlmatrize gepresst und beim Austritt mithilfe eines Abstreifmessers auf die gewünschte Länge abgeschnitten.

Als Ausgangsmaterial dienen bei der Pelletierung homogenisierte Bestandteile. Diese können fein vermahlen (Altromin 2010) oder grob geschrotet sein. Nach GV-Solas (1996) führen grobe Bestandteile zu schlechterer Pelletqualität, da diese dann leichter brechen.

Als Vorteile der Pellets nennt die GV-Solas (1996):

  • leichter Transport und Lagerung
  • keine Entmischung von Komponenten
  • geringe Fressverluste durch Verstreuung
  • keine selektive Aufnahme von Futter


Heißgepresste Pellets

Das Ausgangsprodukt wird zweifach bei hohen Temperaturen (bis zu 133°C) sterilisiert und mit hohen (bis zu 8 bar) Druck durch eine Stahlmatrize gepresst (Lupovet 2013). Je höher der Pressdruck, desto glatter wird das Pellet und desto höher war die Temperatur.


Kaltgepresste Pellets

Weder beim Mischverfahren noch beim Pressverfahren werden hohe Temperaturen erreicht. Einzelne Bestandteile können vorher zur besseren Verdaulichkeit erhitzt werden (St. Hippolyt 2013). St. Hippolyt (2013) stellt nach eigenen Angaben Pelletfutter unter 40 °C her, die Nähr- und Wirkstoffe besonders gut erhalten würden.

Abbildung 1: Pellets. Je höher der Druck, desto glatter werden die Pellets später


Herstellung von Heucobs - ein Beispiel

Die angelieferten Wiesenpflanzen oder ganze Maispflanzen werden gehäckselt, damit einheitlich lange Teile entstehen die besser getrocknet und pelletiert werden können. Anschließend werden die gehäckselten Teile in der rotierenden Trocknungstrommel bei ca. 700 °C getrocknet. Im Anschluss kommt das getrocknete Grünprodukt in die Pelletspresse wo es durch Matrizen gepresst wird und so die 8 mm dicken Grascobs entstehen. Die gepressten Pellets sind durch die hohen Temperaturen während der Trocknung und durch den Pelletiervorgang sehr heiß und müssen daher mit einem Bandkühler, in dem die entweichende warme Luft abgesaugt wird gekühlt werden (Trocknung Gunzenhausen 2013).



Extrudate

Die Extrusion ist ein mechanisch-thermisches Formgebungsverfahren. Das Ausgangsprodukt (Mehl) wird durch den Extruder (Schneckenpresse) auf Temperaturen von über 100 °C gebracht (Wasserdampf und Reibungswärme) und homogenisiert. Mit hohem Druck wird das Produkt dann durch eine Düse (Verdichtungsschnecke) gepresst (Altromin 2010).


Effekte durch den Verarbeitungsprozess:

  • erheblicher Stärkeaufschluß (Altromin 2010).
  • keimarm (Altromin 2010)
  • niedrigere Restfeuchte (Altromin 2010).
  • Zerstörung einiger hitzesensible Vitamine und Aminosäuren (Altromin 2010)




Literatur

Altromin (2010): www.altromin.de (Stand 20.06.2013)

Fritz, J. (2007): Allometrie der Kotpartikelgröße von pflanzenfressenden Säugern, Reptilien und Vögeln. Dissertation, LMU München, S.66-103

GV-Solas (1996): Gesellschaft für Versuchstierkunde. Ausschuss für Ernährung von Versuchstieren; Charakterisierung und Herstellung von Versuchstiernahrung

Luposan (2012): www.luposan.de (Stand 20.06.2013)

Lupovet (2013): www.lupovet.de (Stand 20.06.2013)

Meyer A. (2013): Toleranzen und Analysenspielräume für Einzel- und Mischfuttermittel; lwk-niedersachsen.de; Stand: 07.05.2013

St. Hippolyt (2013): www.st-hippolyt.de (Stand 20.06.2013)

Trocknung Gunzenhausen (2013): trocknung-gunzenhausen.de (Stand 20.06.2013)