Körner und Samen


Kapitel

Allgemeines

Mehlsaaten

Ölsaaten

Keimfutter



Allgemeines

Den Hauptanteil an Körner und Samen als Futtermittel machen Getreidekörner und Leguminosensamen. Sie werden entweder als Ganzkorn oder bearbeitet (geschält/entspelzt, gequetscht, gebrochen, geschrotet etc.) verwendet (Jeroch et al. 1993).

Unterscheiden lassen sich Mehlsaaten, die sich durch einen hohen Stärkegehalt auszeichnen und Ölsaaten, mit einem eher geringeren Stärkegehalt und einem höheren Fettgehalt.



Mehlsaaten

Abbildung 1: Hirsemix
Abbildung 2: Mohrenhirse, Milo Abbildung 3: Paddyreis


Grassamen

Grassamen zählen zu den Mehlsaaten. Genutzt werden können Samen aller verfütterbaren Gräser. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass sich die Samen auch als Tierfutter eigenen.


Getreide

Getreide oder Korn bezeichnet werden wegen ihrer Körnerfrüchte kultivierte Pflanzen der Familie der Süßgräser.

Die bekanntesten Sorten sind:

  • Weizen (Triticum)
  • Roggen (Secale)
  • Gerste (Hordeum)
  • Reis (Oryza)
  • Mais (Zea mays)
  • Hirse (Sorghum, Panicum, Pennisetum u.a.)
  • Hafer (Avena)

Das Getreidekorn wird in drei wesentliche Bestandteile unterschieden: Die Schale, der Mehlkörper (Endosperm) und der Keimling (Embryo). Die Spelzen zählen nicht zum eigentlichen Korn (Jeroch et al. 1993).

Die Schale bildet sich durch das Verwachsen von Fruchtschale (Perikarp) mit einem hohen Gehalt an Zellwandkohlenhydraten und Lignin sowie der Samenschale (Testa) welche neben Gerüstsubstanzen noch viel Protein und Mineralstoffe enthält. Das Endosperm besteht aus dem eigentlichen Mehlkörper und der Aleurenschicht, welche viel Protein, Fett, Vitamine, Farbstoffe und Enzyme enthält. Der Keimling besteht aus Rohfett, Mineralstoffen, Vitaminen (E, B-Komplex) und Proteinen (Jeroch et al. 1993).

Schale und Spelz bestimmen den Rohfaseranteil. Unbespelzte Arten wie Mais, Milo, Weizen, Roggen und Triticale sind rohfaserarm, während spelzreiche Arten wie Hafer, Reis, Kolben- und Rispenhirse relativ rohfaserreich sind. Gerste nimmt eine Mittelstellung ein (Jeroch et al. 1993).

In Tabelle 1 werden die Nährstoffgehalte in % der Trockenmasse verschiedener Getreidesorten dargestellt.


Tabelle 1: Nährstoffgehalte verschiedener Getreidesorten in % der Trockenmasse

Getreideart Rohasche Rohprotein Rohfett Rohfaser Nfe Stärke in % Nfe
Weizen
2,0
13
2,0
3,0
79,4
84
Sommergerste
2,8
12
2,2
5,3
77,8
78
Roggen
2,2
11
1,8
2,8
82,0
73
Hafer
3,3
12
5,4
11,6
67,3
63
Mais
1,6
10
4,7
2,6
80,3
86
Milo
1,8
12
3,5
2,6
80,4
89

Quelle: Futtermittelkundeskript für Veterinärmediziner der Universität Gießen (2008)


Der Gehalt an Lysin im Rohprotein ist in Getreidearten in der Regel zu gering. Eine Ergänzungswirkung durch Kombination mit Hülsenfrüchten, die diese Aminosäure reichlich enthalten ist möglich. Threonin ist in Weizen und vermutlich auch Gerste limitierend. Tryptophan wirkt begrenzend auf die Proteinqualität in Mais (Futtermittelskript 2008).


Tabelle 2: Aminosäuregehalt verschiedener Getreidesorten. Rohprotein in g/kg TM. Aminosäuren in g/100g Rohprotein.

Getreideart Rohprotein Lys Met Cys Thr Trp
Weizen
136
1,8
1,5
2,3
2,9
1,3
Sommergerste
119
3,6
1,5
2,0
3,5
1,3
Roggen
112
3,9
1,3
2,2
3,5
1,3
Hafer
124
4,0
1,6
2,1
3,4
1,3
Mais
108
2,9
1,9
2,0
3,5
0,6
Milo
117
2,1
1,8
1,8
3,7
1,4

Quelle: Futtermittelkundeskript für Veterinärmediziner der Universität Gießen (2008)


An Mineralstoffen fehlt es in Getreide häufig an Natrium und Calcium. Das Ca : P - Verhältnis ist eher ungünstig (0,1 - 0,3 : 1). Phosphor liegt überwiegend als Phytat (50 - 90 % der Gesamt-P) vor und kann Komplexe mit anderen Stoffen wie z.B. Calcium und Zink bilden, wodurch deren Aufnahme behindert wird. Jog, Mangan und Zink sind häufig in zu geringen Mengen enthalten (Futtermittelskript 2008).

Fettlösliche Vitamine wie Vitamin A (inklusive Provitamine), D und K sind wenig bis praktisch gar nicht enthalten, ebenso fehlt Vitamin B12 (Futtermittelskript 2008).

Frisch geerntetes Getreide ist stark mit aktiven Mikroorganismen belastet. Im Lager durchläuft es eine "Schwitzphase" und erfährt eine Nachtrocknung. Getreide sollte daher vor dem verfüttern 6 - 8 Wochen lagern (Futtermittelskript 2008).


Pseudogetreide

Pseudogetreide sind Körnerfrüchte von Pflanzenarten, die nicht zur Familie der Süßgräser gehören. Zu den bekanntesten Sorten zählen:

  • Buchweizen (Fagopyrum esculentum)
  • Amarant (Amaranthus)
    • Kiwicha (Amaranthus caudatus)
    • Rispen-Fuchsschwanz (Amaranthus cruentus)
    • Amaranthus hypochondriacus
  • Quinoa (Chenopodium quinoa)


Nebenerzeugnisse der Mehlmüllerei

Nebenerzeugnisse der Mehlmüllerei entstehen bei der Verarbeitung von Körnerprodukten. Mit zunehmendem Vermahlungsgrad nimmt der Stärkegehalt ab und der Rohfasergehalt zu.

  • Kleie: Weizenkleie Rohfaser 123 g/kg TM, Stärke 165 g/kg TM
  • Grießkleie: Weizenkleie Rohfaser 93 g/kg TM, Stärke 205 g/kg TM
  • Futtermehl: Weizenkleie Rohfaser 48 g/kg TM, Stärke 365 g/kg TM
  • Nachmehl: Weizenkleie Rohfaser 33 g/kg TM, Stärke 460 g/kg TM
Abbildung 5: Nachprodukte der Mehlmüllerei


Mahlerzeugnisse werden je nach Partikelgröße unterteilt in:

  • Schrot: > 500 um
  • Grieß: 200 - 500 um
  • Dunst: 120 - 200 um
  • Mehl: 14 - 120 um (Feinmehl 40 - 50 um)


Nebenerzeugnisse der Nassmüllerei

  • Maisquellstärke/extrudierte Maisstärke: hydrothermisch behandelt, daher teilweise aufgeschlossen
  • Maiskleber: Nach Abtrennen der Stärke, reich an Rohprotein ( > 70 % in der TM); enthält Carotinoide, daher gelb
  • Maiskleberfutter: Aus Schalen (Kleie) und Endosperm (Kleber), weitere Rückstände von Körnern, Maisquellwasser oder der Maisölgewinnung
  • Maiskeime: Schalen und Teile des Maiskörpers
  • Maiskeimkuchen und Maiskeimextraktionsschrot: Rückstände aus der Maisölgewinnung



Ölsaaten

Zu den Ölsaaten zählen Samen von Kräutern, Gemüse, Obst, Bäumen und Sträuchern. Zu den Ölsaaten zählen zum Beispiel:

Kräutersamen:

  • Blaumohn
  • Brennnesselsamen
  • Distelsamen
  • Kardisaat
  • Kleesaat
  • Leinsaat
  • Luzernesaat
  • Löwenzahnsamen
  • Mariendistelsamen
  • Negersaat
  • Perilla
  • Petersiliensamen
  • Rübsen
  • Raps
  • Sesam
  • Sonnenblumen
  • Zichorie

Gemüse und Obstsamen

  • Artischockensamen
  • Fenchelsaat
  • Kürbiskerne
  • Lauchsaat
  • Möhrensamen
  • Salatsamen

Bäume und Sträucher

  • Fichtensamen
  • Lindensamen
  • Kiefernsamen
  • Lärchensamen
  • Tannensamen
  • Zypressensamen
Abbildung 4: Chiasaat
Abbildung 5: Kardi Abbildung 6: Mariendistelsamen


Leinsaat

Leinsaat ist mit ca. 25 % Rohprotein und 36 % Öl in der TM relativ protein- und ölreich. Erstlimitierend ist mit 3,5 % im Rohprotein Lysin. Leinsaat ist reich an Phosphor und arm an Calcium. Es besitzt 3 - 10 % schleimbildende Stoffe, welche auch in Kuchen, Expeller und Extraktionsschrot erhalten bleiben. Der Schleim bildet sich bei Wärme in wässrigem Milieu. Dem Schleimstoff werden verschiedene Wirkungen zugeschrieben:

  • Stimulierung der Darmperistaltik
  • Bindemittel für harmlose Störfaktoren und Toxine
  • prebiotische Wirkung: günstige Wirkung auf die Darmflora

Die Samen müssen gequetscht oder geschrotet werden, ansonsten werden sie aufgrund der harten Schale unverdaut wieder ausgeschieden.

Leinsaat enthält cyanogene Glycoside, welche unter anderem durch Enzyme (nativ in Leinsamen enthalten) in Blausäure gespalten werden. Erhitzung inaktiviert das Enzym, welches die cyanogenen Glycoside spaltet. In Expellern und Extraktionsschrot ist das Enzym daher größtenteils bis vollständig inaktiviert. Leinkuchen enthält durch Kaltpressen noch das aktive Enzym. Bakterien können im Dickdarm oder bei Wiederkäuern im Vormagen Blausäure freisetzen, auch wenn das Leinsameneigene Enzym inaktiviert wurde. Entfernt werden können die cyanogenen Glycoside durch zerkleinern und mehrstündiges einweichen. Anschließendes Erhitzen lässt die freigesetzte Blausäure abdampfen.


Nebenerzeugnisse der Ölgewinnung

Bei der Ölgewinnung unterscheidet man Druckfiltration (Kalt- und Warmpressen) und Extraktion mit Lösungsmitteln. Beim Kaltpressen werden Temperaturen von ca. 40 °C erreicht, die entstehenden Öle sind hochwertiger als warmgepresste Öle. Beim Warmpressen werden bis zu 70 °C erreicht, wodurch mehr Zellen aufgeschlossen werden.

Beim Extrahieren mit Lösungsmittel wird Benzin verwendet, welches beim anschließenden Toasten wieder entfernt wird. Beim Toasten werden zudem Mikroorganismen und Enzyme inaktiviert, zudem wird das Protein verdaulicher. Als Extraktionsmittel wird meistens n-Hexan eingesetzt, welches sich anschließend leicht wieder entfernen lässt. Der Rückstand sollte höchstens 0,05 - 0,1 % betragen.

Entstehende Nebenerzeugnisse:

  • Ölkuchen: Ölgehalt 10 - 20 %
  • Expeller: Ölgehalt 5 - 10 %
  • Extraktionsschrot: Ölgehalt 0,5 - 1,5 %
Abbildung 6: Nebenerzeugnisse der Ölgewinnung; aus Futtermittelkundeskript (2008)



Keimfutter

Der Nährwert und die Verdaulichkeit von Samen kann durch ankeimen verbessert werden. Angeblich wirken sich gekeimte Samen mehr auf Gesundheit und Fruchtbarkeit aus als auf Leistung. Inwieweit sich Keimfutter auf die Fruchtbarkeit auswirkt ist wissenschaftlich bislang nicht ausreichend untersucht (Futtermittelskript 2008).

Der Keimling ist der Embryo eines Samens und beinhaltet entstehende Spross- und Wurzelteile.

Folgende messbare Veränderungen sind möglich (Futtermittelskript 2008):

  • Steigerung des Vitamingehalts: Bildung von B-Vitamin, Ascorbinsäure und ß-Carotin
  • Verbesserung der Proteinqualität: Abbau von Trypsininhibitoren, Synthese von Lysinreichen Proteinen bzw. Abbau von Proteinen mit niedrigem Gehalt an essentiellen Aminosäuren
  • Bessere Bioverfügbarkeit von essentiellen Mineralstoffen: Phosphat aus Phytat, Zink, Magnesium, Calcium etc.
  • Steigerung des Ballaststoffgehalts durch Nichtstärke-Polysaccaride




Literatur

Jeroch, H.; Flachowsky, G.; Weißbach, F. (1993): Futtermittelkunde. Jena, Stuttgart: G. Fischer. ISBN 3- 334-00384-1

Futtermittelkundeskript für Veterinärmediziner der Universität Gießen (2008)