Grünfutter


Kapitel

Definition

Gräser

Kräuter

Blätter von Bäumen und Sträuchern

Blätter und Kraut verschiedener Kulturpflanzen



Definition

Unter Grünfutter sind Futtermittel zu verstehen, bei denen die gesamte Pflanze oder der krautige Teil der Pflanze verfüttert wird. Jeroch et al. (1993) definiert Grünfutter pflanzenmorphologisch gesehen als den grünen, oberirdischen Teil der Pflanze. Es handelt sich um stoffwechselaktives Gewebe mit hohem Wasseranteil.


UUrheber: Majorica; GNU FDL; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Gurbuz das ; GNU FDL; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 1: Grünland. Der Unterschied zwischen Rasen (links) und Wiese (rechts) ist groß. Auf dem Rasen wachsen fast ausschließlich Hochzuchtgräser, die sehr trittfest sind. Der Artenreichtum der Wiese fehlt.


Diese Futtermittel zeichnen sich durch einen hohen Anteil an Struktur-Kohlenhydraten aus, wobei verschiedene Faktoren den Anteil und die Zusammensetzung beeinflussen.

Die Grünfuttermittel können frisch verfüttert werden. Zur Konservierung müssen sie entweder stark getrocknet (Heu) oder durch Silierung haltbar gemacht werden.

Mit fortschreitendem Alter nimmt der Rohfasergehalt der Pflanzen zu und die Verdaulichkeit und der Proteingehalt der Pflanzen ab (Möllmann 2007). Dabei sinkt der Blattanteil abhängig von der Morphologie der Pflanze. Bei Gräsern sinkt er innerhalb von acht Wochen von mehr als 70 % auf weniger als 20 %. Bei den Leguminosen ist der Blattanteil zu Vegetationsbeginn mit 55 % geringer, sinkt jedoch weniger schnell, um sich während der Blüte dann bei ungefähr 30 % zu halten (Arrigo 2009).

Nach Jeroch et al. (1993) beginnt die Pflanze zuerst mit der Ausbildung von Organen des Assimilationsapparates, wodurch der Blattanteil anfangs sehr hoch ist. Beim anschließenden Streckungswachstum erhöht sich der Anteil des Stängels und durch Verholzung nimmt die Stabilität zu. Am Ende werden die Samen ausgebildet und die Blätter sterben ab, ebenso der weitgehend verholzte Stängel.


Abbildung 2: Veränderungen in Grünpflanzen mit dem Alter (nach Jeroch et al. 1993). Links der Gehalt an Kohlenhydraten, rechts das Verhältnis von Zellinhalt und Zellwand (TS = Trockensubstanz).


Eine vermehrte Nutzung (Beweidung, Schnitt) der Grünfpflanzen führt zu einem Schwinden der Reservekohlenhydrate. Dadurch nimmt mit zunehmender Schnitthäufigkeit der Gehalt an nicht-strukturbildenden Kohlenhydraten ab (Dahlhoff 2003).



Gräser

Als Gras werden einkeimblättrige, krautige Pflanzen mit unscheinbaren Blüten und langen, schmalen Blättern bezeichnet. Je nach Alter der Pflanzen kann die Verdaulichkeit und der Gehalt an Nährstoffen von Gräsern stark variieren.

Botanisch gehören alle im Deutschen als Gras bezeichneten Pflanzen (mit Ausnahme der Seegrasgewächse) zur Ordnung der Süßgrasartigen (Poales), und zwar zu folgenden Familien:

  • Süßgräsern (Poaceae)
  • Sauergräser (Cyperaceae)
  • Restionaceae


Gräser haben im Vergleich zu Kräutern und Leguminosen (z.B. Klee, Lupine, Ackerbohnen, Wicken) den niedrigsten Rohproteingehalt und den höchsten Rohfaser- und Mineralstoffanteil (Möllmann 2007).


Unterteilt werden Gräser in Obergräser, welche eher auf Wiesen vorkommen und einen hohen Blütenständen, vielen Blütenhalmen, geringen Blattanteilen und hohem Rohfaseranteil haben und Untergräser, welche vermehrt auf Weiden zu finden sind mit kürzeren Halmen, weniger Halmen, mehr Blättern, feinblättriger sind, eine höhere Verdaulichkeit und gute Narbenbildung durch Rhizome aufweisen.

Untergräser:

  • Deutsches Weidelgras
  • Wiesenrispe
  • Gemeines Rispengras
  • Rotschwingel
  • Quecke

Obergräser:

  • Wiesenfuchsschwanz
  • Goldhafer
  • Glatthafer
  • Wiesenlischgras
  • Wiesenschwingel
  • Knaulgras
  • Wolliges Honiggras
  • Rasenschmiele


Im Gegensatz zu vielen Pflanzen speichern Gräser der gemäßigten Zone Kohlenhydrate nicht hauptsächlich als Stärke, sondern als Saccharose und als Fruktosepolymer Fruktan. Fruktane sind Produkte der Photosynthese, wobei Saccharose das Primärprodukt ist. Sind die Bedingungen für Photosynthese günstig und hat die Pflanze einen geringen Kohlenhydratverbrauch reichert sich Saccharose an. Durch die Ansteigende Saccharosekonzentration wird die Fruktansynthese ausgelöst. Dieses kann in der Vakuolen der Pflanzenzelle oder nicht-photosynthetisch aktiven Geweben gespeichert werden, wobei das Hauptspeicherorgan der Graspflanzen der Stängel ist. Im Stängel werden vorwiegend hochpolymere Fruktane eingelagert, in den Blättern findet man meist kurzkettige Fruktane (Dahlhoff 2003).

Bei hohem Kohlenhydratverbrauch, beispielsweise bei schnellem Wachstum oder während der Blüte, ist der Fruktangehalt gering und steigt bei reduziertem Wachstum und gleich bleibender Photosyntheseaktivität. Befindet sich die Pflanze im Wachstum werden Reservekohlenhydrate nicht benötigt und gar nicht erst gebildet. Daher ist der Fruktangehalt umso niedriger, je höher der Rohproteingehalt der Gräser ist (Dahlhoff 2003).

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf den Fruktangehalt sind:

  • Pflanzenart: Gräser in wärmeren Regionen speichern eher Stärke, Gräser in kälteren Regionen eher Fruktan. In gemäßigten Regionen wurden in Untersuchungen bis zu 25 % Fruktane in der Stängeltrockensubstanz nachgewiesen. Ryegräser wie Englisches (Deutsches Weidelgras), Italienisches oder Hybrid-Ryegras lagern deutlich höhere Mengen an Fruktan ein als Knaulgras, Wiesenschwingel oder Wiesenlieschgras. Aber nicht nur Art, auch Sortenunterschiede lassen sich beobachten. Zudem unterscheidet sich nicht nur der Gehalt, sondern auch die Zusammensetzung. Knaulgras und Wiesenlieschgras enthalten höher-molekulare Fruktane, während Deutsches Weidelgras niedermolekulare Oligofruktane speichert (Dahlhoff 2003). Moderne Zuchtsorten die auf Produktivität, Resistenzen, Energiewert und Silierfähigkeit selektiert werden weißen höhere Fruktangehalte auf (Vanselow 2008)
  • Tages- und Jahreszeit: Die höchsten Fruktanwerte werden an frühen Nachmittag gemessen, die niedrigsten Abends. Ursache sind Temperaturen, Lichtintensitäten sowie Fruktanreserven vom Vortag. Bezogen auf die Jahreszeit findet man die niedrigsten Gehalte bei den meisten Arten im Sommer, Angaben zu Maximalgehalten schwanken. Allerdings kann das Deutsche Weidelgras im Juli und August bis zu 400 g/kg TS speichern (Dahlhoff 2003)
  • Vegetationsperiode: Mit zunehmendem Alter nimmt der Gehalt an Rohfaser zu, verdauliche Energie und verdauliches Eiweiß hingegen nehmen ab. Der Verlust der Verdaulichkeit ist vor allem auf einen Verlust an leicht verdaulichen, nicht-strukturbildenden Kohlenhydraten zurückzuführen. Der Fruktangehalt nimmt mit dem Reifestadium der Pflanze zu. Zu einer maximale Speicherung von Reservekohlenhydraten kommt es im späten Sommer, Herbst und Winter, wenn die Photosyntheseprodukte den verminderten Kohlenhydratbedarf für das Wachstum überstiegen. Zu extrem hohen Konzentrationen kann es auch vor der Blüte der Gräser kommen (Dahlhoff 2003)
  • Lichtintensität: Ist die Lichtintensität gering reduziert dies den Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten und Fruktan (Dahlhoff 2003)
  • Temperatur: Durch den Einfluss der Temperatur auf Wachstum, Photosynthese und Respiration wirkt sich diese auch auf den Fruktangehalt aus. Steigende Temperaturen senken den Fruktangehalt der Pflanze, fallende führen zu einer Speicherung von Fruktan und so zu einer steigenden Konzentration. Eine besonders hohe Konzentration werden durch nächtliche Temperaturen um den Gefrierpunkt gefolgt von warmen, sonnigen Tagen erzeugt. Bei gefrorenem Gras und gleichzeitig erhöhter Lichtintensität kann der Gehalt an Fruktanen bis zu 50 % der Trockensubstanz erreichen (Dahlhoff 2003)
  • Düngestatus: Insbesondere die Stickstoffversorgung führt zu einem höheren Gehalt an Fruktanen, da durch die Düngung Grasarten gefördert werden welche einen hohen Fruktangehalt haben. Die Menge an Fruktanen in der Pflanzen selbst ist aber geringer (Dahlhoff 2003)
  • Nutzungsintensität: Durch vermehrte Nutzung nimmt der Stress für die Pflanzen zu, wodurch der Fruktangehalt abnimmt (Dahlhoff 2003)

Fruktane werden aufgrund ihrer Struktur von Tierarten wie Pferden nicht im Dünndarm abgebaut, sondern unterliegen einer raschen mikrobiellen Fermentation (Dahlhoff 2003). Langkettige Fruktane werden schlechter verdaut als kurzkettige (Vanselow 2008). Ein hoher Fruktangehalt für einige Tierarten problematisch sein.


Eine weitere Problematik der Gräser sind die Zusammensetzung moderner Weide- und Nutzflächen. Selektion durch Zucht und Nutzung führen zu vermehrten Resistenzen. Die Abwehrstrategien vieler Gräser beruht auf Giften. Gifte in Gräsern können durch parasitäre Pilze (z.B. Mutterkornpilz) oder aber durch Pilzsymbionten produziert werden. Die Pilzsymbionten besiedeln die Gräser und sorgen für eine erhöhte Widerstandskraft gegen Dürre, Frost und Fraßfeinde. Für viele Säugetiere können diese Gifte schon in geringen Mengen gesundheitliche Probleme mit sich bringen. Die Pilze und ihre Gifte kommen vermehrt dort vor wo Fruktane gebildet werden. Besonders betroffen sind Wiesenschwingel (in Sachsenanhalt bis zu 86 %) und Weidelgräser. Arten für Zierrasen enthalten oft mehr Gifte als Arten für Futtersorten (Vanselow 2008)


Urheber: James Lindsey; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Rasbak; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Rasbak; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 3: Gräser. Verschiedene Gräser. Von links nach rechts: Dactylis glomerata, Arrhenatherum elatius und Lolium perenne.



Kräuter

Krautige Pflanzen sind alle Pflanzen, die kein sekundäres Dickenwachstum aufweisen und damit nicht verholzen. Es gibt einjährige, zweijährige und mehrjährige krautige Pflanzen. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Arten. Im täglichen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig als Synonym für Heilkäuter, Unkraut oder Küchenkräuter verwendet.

  • als Küchenkräuter oder kurz Kräuter werden küchensprachlich Pflanzen bezeichnet, deren Blätter und Blüten frisch oder getrocknet als Gewürze Verwendung finden. Es muss sich dabei nicht im botanischen Sinne um krautige Pflanzen handeln.
  • ein Heilkraut ist ein Kraut, die in der Pflanzenheilkunde wegen ihres Gehalts an Wirkstoffen zu Heilzwecken oder zur Linderung von Krankheiten verwendet werden kann.
  • Unkraut bezeichnet Pflanzen die in Kulturpflanzenbeständen, Grünland oder Gartenanlagen vorkommen, die dort aber nicht gezielt angebaut werden. Oft sind diese unerwünscht. Es muss sich dabei nicht im botanischen Sinne um krautige Pflanzen handeln.


Urheber: Rainer Zenz; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Thomas Huntke; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 4: Kräuter. Küchenkräuter wie Oregano, Thymian und Rosmarin gehören genauso dazu wie andere krautige Pflanzen in freier Natur.



Blätter von Bäumen und Sträuchern

Eine weitere Variante an Grünfutter sind Blätter von Bäumen und Sträuchern.

Urheber: Łukasz Szczurowski; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Willow ; GNU FDL; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 5: Blätter von Bäumen und Sträuchern. Beliebt in der Tierernährung sind z.B. Apfelbaumzweige (links) und Haselnuss (rechts).



Blätter und Kraut verschiedener Kulturpflanzen

Verschiedene Teile von Kulturpflanzen werden ebenfalls als Grünfutter bezeichnet. Beispiele sind Fenchelgrün, Möhrenkraut, Kohlrabiblätter, aber auch verschiedene Blattgemüse.

Urheber: ARS; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Urheber: Radomil; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Urheber: Rasbak; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 6: Kraut von Kulturpflanzen. Z.B. (von links nach rechts): Karotten, rote Bete und Knollensellerie.




Literatur

Arrigo Y. (2009): Einfluss der Konservierung auf die Nährstoffe des Grünfutters, Merkblatt für die Praxis, ALP aktuell 2009, Nr. 32

Dahlhoff S. (2003): Fruktangehalt im Gras von Pferdeweiden während der Weidesaison 2002, Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover

Jeroch, H.; Flachowsky, G.; Weißbach, F. (1993): Futtermittelkunde. Jena, Stuttgart: G. Fischer. ISBN 3- 334-00384-1

Möllmann F. (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München

Vanselow R.U. (2008): Giftige Gräser auf der Pferdeweide; NBB kompakt ISBN: 3-89432-112-X