Raufutter


Kapitel

Definition

Stroh

Laubheu

Silage

Heu



Definition

Als Raufutter bezeichnet man Futtermittel mit einem relativ hohen Gehalt an strukturierter Rohfaser. Es wird auch als Grundfuttermittel oder Wirtschaftsfutter bezeichnet.

Raufutter wird in der Verordnung zur ökologischen Tierhaltung (EG-Nr. 1804/1999, Anhang 2, Teil C) definiert als: Luzerne (-grünmehl), Klee (-grünmehl), Grünfutter (gewonnen von Futterpflanzen), Grünmehl, Heu, Silage, Getreidestroh und Wurzelgemüse für Grünfutter (Werner und Sundrum 2008).

Auf dieser Homepage werden Grünfutter und Gemüse allerdings in gesonderten Kategorien aufgeführt und in diesem Kapitel nur auf trockene Raufutter und Silage eingegangen.



Stroh

Stroh ist die Restpflanze nach dem Drusch zur Gewinnung von Körner und Samen. Stroh

Abbildung 1: Stroh.
Urheber: Dave Hitchborne; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)

besteht hauptsächlich aus Halmen und Blättern, teilweise sind Ähren und Rispen enthalten. Häufig zudem Gräser und Kräuterteile.

Stroh hat einen hohen Anteil an Rohfaser. Es wird aus verschiedenen Pflanzen gewonnen, je nach Herkunft schwankt sein Nährwert. Weizen und Roggenstroh sind blattarm, Stroh von Leguminosen, Hafer, Mais und Gerste sind wertvoller. Allerdings enthält Gerstenstroh Grannen an den Ähren (Futtermittelskript 2008).

Stroh enthält ca. 3 - 4 % Rohprotein und 45 % Rohfaser, davon bis zu 15 % Lignin. Maisstroh hat mit 6 - 7 % etwas mehr Rohprotein und mit 30 % etwas weniger Rohfaser. Mineralstoffe und Vitamine sind in Stroh nur in geringeren Mengen enthalten (Futtermittelskript 2008).



Laubheu

Von verträglichen Bäumen können Blätter gesammelt und getrocknet werden. Sie eignen sich als Ergänzungsfutter, vor allem im Winter. Die Blätter sollten am Besten im Frühjahr geerntet werden.



Silage

Silage ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futter. Konserviert werden können alle Grünfuttermittel wie Gras, Klee, Luzerne, Ackerbohnen oder Getreide (als Ganzpflanzensilage).

Im Vergleich zu Grünfutter hat Silage eine höhere Trockenmasse, aber weniger Rohprotein und geringere Proteinqualität, verdauliche Kohlenhydrate und weniger Energie. Im Vergleich zu Heu sind die Nährstoffverluste geringer (Futtermittelskript 2008).

Im Gegensatz zu Heu wird Silage vor der Blüte gemäht, auf 35 - 40 % trocken gelassen und anschließend Luftdicht verpackt. Es vermehren sich Lactobaziellen welche die Kohlenhydrate verwerten und Milchsäure produzieren. Bei falschen Mahdzeitpunkt, zu hohem oder zu niedrigem Feuchtigkeitsgehalt, mangelhaften Luftabschluss, toten Tieren im Ballen, Beschädigung des Ballens oder mangelhafte Hygiene können sich schädliche Mikroorganismen (z.B. Hefen, Schimmelpilze oder gefährliche Krankheitserreger wie Clostridium Botulinum) vermehren und die Silage verderben (Futtermittelskript 2008).

Heulage wird wie Heu später gemäht, auf 60 - 70 % trocknen gelassen und anschließend wie Silage konserviert. Allerdings müssen Pressdruck und Luftabschluss höher sein.

Hochwertige sollte angenehm säuerlich riechen, gleichmäßig gefärbt und ohne weiße oder dunkle Stellen sein. Wichtig ist zudem, dass die Silage luftdick verpackt ist. Durch offene Stellen wird sie schnell unbrauchbar. Man unterscheidet Grassilage (früher Schnitt) oder Heulage (später Schnitt).

Urheber: Peter Mooney; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Flominator; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 2: Silage ist ein durch Milchsäuregärung konserviertes Futtermittel.



Heu

Als Heu bezeichnet man getrocknete oberirdische Biomasse von Grünlandpflanzen (Gräser, Kräuter, Leguminosen).


Jeroch et al. (1993) unterscheiden drei Trocknungsverfahren:

  • Bodentrocknung: Das Grünfutter wird bis zu einem Trockensubstanz-Gehalt von mindestens 80 % mit Sonnenenergie getrocknet
  • Belüftungstrocknen: Das am häufigsten angewandte Verfahren. Nur ein Teil des Wassers wird mit Sonnenenergie entzogen, anschließend wird es in Räumen mit Belüstungsvorrichtungen eingebracht und trocknet dort weiter
  • Heißlufttrocknung: Futtertrocknung im Strom heißer Verbrennungsgase


Die Zusammensetzung, Qualität und der Nährstoffgehalt ist von zahlreichen Faktoren (Art und Weise der Trocknung und Lagerung, Zusammensetzung der Wiese, Bodenverhältnissen etc.) abhängig und kann daher stark variieren.


Beispiele für Veränderung des Nährstoffgehalts nach Möllmann (2007)

  • Alter der Pflanzen: Mit zunehmendem Alter nimmt der Rohfasergehalt zu, während die Verdaulichkeit und der Rohproteingehalt sinkt
  • Botanische Zusammensetzung: Durch Düngung und Bewirtschaftungsmaßnahmen nimmt der Kräuter- und Leguminosenanteil ab, der Rohfasergehalt nimmt zu und der Rohproteingehalt nimmt ab
  • Mahd: Bei mechanisierte Bodentrocknung steigt der Gehalt an Rohfaser, Rohprotein hingegen nimmt ab (Bröckelverluste), Reutertrocknung zeigt die wenigstens Verluste


Bei der Trocknung von Wiese zu Heu geht nicht nur Flüssigkeit verloren. Durch den Verlust von zahlreichen Nährstoffen und anderen wichtigen Stoffen, insbesondere durch den Verlust von Blättern verändert sich die Zusammensetzung und Verwertbarkeit der Nährstoffe.

Nach Arrigo (2009) kommt es zusätzlich zu der Belastung durch die Maschinen beim Ernte und Trocknungsvorgang durch gärungsbedingter Gasbildungzu Trockensubstanzverlusten.

  • künstlich getrocknetes Futter: 5 - 10 %
  • Anwelksilagen: 15 - 20 %
  • Belüftungsheu: 15 - 20 %
  • Nasssilagen: 20 - 25 %
  • Bodenheu: 25 % - über 30 %, wenn Regen auf das Futter fällt


Zu chemischen Verlusten kommt es durch (Arrigo 2009):

  • Atmung der Pflanze nach dem Schnitt
  • Gärungen in den Silos oder im Heustock während der Konservierung
  • Auswaschung wasserlöslicherNährstoffe, falls während der Trocknung Regen auf das Heu fällt oder durch den bei Silage mit weniger als 30 % TS austretenden Sickersaft


Zwischen 30 % und 50 % aller Nährstoffe können bei der Trocknung von Wiese zu Heu verloren (Nehring 1970, Lackenbauer 2001). Weitere 6 - 8 % bei jedem weiteren Monat Lagerung.


Urheber: Badzil; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013) Urheber: Alexander von Halem; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Stand Mai 2013)
Abbildung 3: Heu kann auf verschiedene Weise hergestellt werden. Manche Methoden sind schonender und führen zu weniger Bröckelverlusten als andere.


Veränderungen im Heu durch den Trocknungsprozess

  • Rohfaser: Verlust durch Trocknung, Abrieb und Bröckelverlust lassen den Gehalt an Rohfaser im Heu im Vergleich zur Wiese ansteigen. Auch während der Lagerung wird ein Anstieg beobachtet. In der Rohfaserfraktion Cellulose findet ein minimaler Abbau statt, indirekt werden dadurch Hemicellulose und das Lignin relativ angehoben (Buchgraber et al. 2009). Der Verlust betrifft insbesondere den verdaulichen Teil der Rohfaser, wodurch der Gehalt an unverdaulicher Rohfaser zunimmt (Arrigo 2009)
  • Rohproteine: Durch Abrieb und Bröckeln von Blattmasse und auch Blühknospen nimmt der Rohproteingehalt im Heu während des Trocknungsprozesses und auch während der Lagerung ab (Jeroch et al.1999). Der Verlust kann bis zu 8 % betragen (Arrigo 2009)
  • Energiegehalt und Verdaulichkeit: Die Verdaulichkeit und somit der Energiegehalt wurden durch Trocknung und Lagerung beeinträchtigt. Beide nehmen ab (Jeroch et al.1993, Schlolaut 2003)
  • Mineralstoffgehalt: Der Mineralstoffgehalt verändert sich nicht nennenswert (Arrigo 2009). Nach Kirchgessner (2009) sind bei Bodentrocknung allerdings die Verluste von Mo, Cu, J und B beträchtlich
  • Vitamine: Der Verlust an Vitaminen durch Trocknung und Lagerung ist erheblich. Insbesondere das β-Carotin (wichtige Vorstufe zum Vitamin A) hat sich in Versuchen von Buchgraber (2009) bei Heu in dieser Lagerungszeit von 18 Monaten um 50 % vom Ausgangswert abgebaut
  • Wassergehalt: Der Wassergehalt nimmt während der Trocknung erheblich ab. Frischfutter hat einen Gehalt von 60 - 90 %, Heu einen Maximalgehalt von 15 %


Heuqualität

Die Heuqualität hängt nicht nur von der Wiese selbst, sondern auch von Schnitthäufigkeit und Schnittzeit ab.

Man unterscheidet:

  • Vor- oder Frühschnitt: Vor der Heumahd
  • Erster Schnitt: Heumahd im Frühsommer
  • Zweiter Schnitt: Grummet, Emde, Ettgrön, Nachmahd im Hochsommer
  • Weitere Schnitte je nach Nutzung der Wiese


In jungem Zustand trocknet das Heu schlecht, weshalb normalerweise erst dann gemäht wird wenn die Ähre oder Rispe schon geschoben hat. Häufig sogar erst wenn die Leitgräser in der Blüte stehen (Jeroch et al. 1993).


Tabelle 1: Heuschnitte

Schnitt Merkmale
Heumahd Faser- und kohlenhydratreichen Gräser bis zur ersten Blüte, typischen Frühlings - Wiesenblumen (Hahnenfuß, Schafgarben etc.)
Grummet Kürzer, mehr Kräuter, nährstoffreicher, niedrigerer Anteil an Strukturkohlenhydraten, hoher Eiweißgehalt
Weitere Schnitte Wird als minderwertig angesehen


Tabelle 2: Schätzwerte für den Mineralstoffgehalt im Heu nach Möllmann (2007)

Mineralstoff Heu Gehalt in [g/kg TS]
Calcium Strohiges Heu des ersten Schnittes
3,5
Normaler erster Schnitt
5,0
Spätere blattarme Schnitte
5,6
Spätere blattreiche Schnitte
7,5
Magnesium Strohiges Heu des ersten Schnittes
1,2
Normaler erster Schnitt
1,6
Spätere blattarme Schnitte
1,9
Spätere blattreiche Schnitte
3,7
Kalium Ungedüngtes Heu des ersten Schnittes
14
Gedüngtes Heu des ersten Schnittes
21
Zweiter Schnitt
21


Die Farbe des Heues sagt nichts über dessen Qualität aus. Die Farbe grün zeigt nur, dass das Heu entweder noch einen hohen Anteil an Chlorophyllen hat oder gefärbt wurde.

Der Geruch von Heu sollte aromatisch sein. Muffiges oder gar schimmlig riechendes Heu ist ungeeignet. Einzelne Pflanzen sollte im Heu erkennbar sein.


Merkmale für hochwertiges Heu von extensiv genutzten Wiesen:

  • hoher Anteil an hohen borstgrasigen, schmal- und kurzblättrigen Gräsern
  • niedriger Anteil an breit- und langblättrigen Gräsern
  • hoher Anteil an Kräutern
  • feinstrukturierter
  • enthält auch Anteile von niedrigwüchsigen Kräutern und Zwergsträuchern (Dadurch Konsistenz des Heues spröder)


Merkmale für Heu von intensiv genutzten Wiesen:

  • hoher Anteil an breitspreitigen Gräsern und Kräutern
  • gröber




Literatur

Arrigo Y. (2009): Einfluss der Konservierung auf die Nährstoffe des Grünfutters, Merkblatt für die Praxis, ALP aktuell 2009, Nr. 32

Buchgraber K., Resch R., Heinrich S.,Buchgraber A., Krauskopf B.: Qualitätsveränderungen von Wildheu und Silagen im Verlauf der Lagerung; Institut für Pflanzenbau und Kulturlandschaft des LFZ Raumberg- Gumpenstein; Oktober 2009

Bucher, L.; Fütterungsbedingte Einflüsse auf Wachstum und Abrieb von Schneidezähnen bei Zwergkaninchen; Berlin; Freie Universität, Fachber. Veterinärmed.; Diss.; 1994

Futtermittelkundeskript für Veterinärmediziner der Universität Gießen (2008)

Jeroch, H.; Flachowsky, G.; Weißbach, F. (1993): Futtermittelkunde. Jena, Stuttgart: G. Fischer. ISBN 3- 334-00384-1

Kirchgessner M. (2009): Der Einfluß der botanischen Zusammensetzung, Erntezeit und -art auf den Mengen- und Spurenelementgehalt des Wiesenheues; Zeitschrift für Tierernährung und Futtermittelkunde

Lackenbauer, W.; Kaninchenfütterung: tiergerecht - naturnah - wirtschaftlich; 3., überarb. Aufl. Reutlingen; Verl.-Haus Reutlingen Oertl und Spörer; 2001; ISBN 3-88627-704-6

Möllmann F. (2007): Analysen und Abschätzung des Mineralstoffgehaltes in Heuproben aus oberbayerischen Pferdehaltungsbetrieben. Dissertation, Ludwig-Maximilians-Universität München

Nehring, K. (1972): Lehrbuch der Tierernährung und Futtermittelkunde. Neumann-Verlag Radebeul und Berlin. 9. neubearb. u. erw. Aufl.

Werner C. und Sundrum A. (2008): Zum Einsatz von Raufutter bei Mastschweinen; Universität Kassel, Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften, Fachgebiet Tierernährung und Tiergesundheit

Schlolaut 2003: Schlolaut, W. (Hrsg) in Zusammenarbeit mit Lange, K.; Das große Buch vom Kaninchen; 3., erw. Aufl.; Frankfurt am Main; DLG-Verl., 2003; 488 S.; ISBN 3-7690-0592-9