Farbratten


Kapitel

Herkunft und Domestikation

Farbratten im Freiland

Zuchtformen



Herkunft und Domestikation

Farbratten sind die domestizierte Form der Wanderratte (Rattus norvegicus).

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts werden Ratten als Labortiere gehalten. Die Domestikation der Wanderratte begann bereits Anfang des 19. Jahrhunderts (Robinson 1984). Im Jahr 1822 wurden in Bristol in England albinotische Wanderratten gefangen, nach Schmidt (1985) ist dies die Wiege der albinotischen Laborratten.

Zu dieser Zeit waren Wettkämpfe in denen Hunde möglichst viele Ratten töten sollten sehr populär. Dafür wurden viele Ratten gefangen. Die besonderen Tiere wie Albinos wurde zu Zucht- und Ausstellungstieren verwendet (Richter 1954). Nach Richter (1954) ist es wahrscheinlich, dass die Ausstellungsratten, welche möglicherweise durch “handling“ gezähmt waren, ihren Weg in die Laboratorien fanden.

Die ältesten Rattenstämme werden nach dem Institut benannt, in dem sie ursprünglich gezüchtet wurden. Beispiel ist die "Wistarratte" nach dem Wistar-Institut in Philadelphia. Heimtierratten stammen vermutlich von Laboratoriumsratten ab. Möglicherweise wurden Ratten aber schon länger als Haustiere gehalten und finden ihren Ursprung bei den weitergezüchteten Ausstellungsratten.

Es existieren neben den verschiedenen Laboratoriumsstämmen inzwischen zahlreiche Farbschläge, Formen und auch verschiedene Fellstrukturen.



Farbratten im Freiland

"Wir mögen die Ratte aus der Wildniss geholt haben, aber wir haben das Wildtier nicht aus der Ratte entfernt."

- ratlife.org -

Farbratten unterscheiden sich in einigen Aspekten von ihren wilden Verwandten. Dennoch gibt es einige Beobachtungen an Farbratten unter natürlichen oder semi-natürlichen Bedingungen die zeigen wie anpassungsfähig die Tiere auch unter extremen Bedingungen sind.

Allerdings scheiterten auch einige Versuche. So versuchten King & Donaldson (1929) fünf mal Albinoratten an verschiedenen Orten von Massachusetts bis hin zu Inselgruppen im Golf von Mexiko auszuwildern und scheiterten jedes mal. Hingegen wurden auf Lānaʻi, einer der acht vulkanischen hawaiischen Hauptinseln eine Kolonie von Albino- und Hoodedratten gefunden, welche vermutlich von entlaufenen Haustieren abstammten (Svhila 1936).

Minckler & Pease (1938) beschrieben eine Kolonie von Albinoratten auf einer Deponie in Montana. 1935 wurden das erste mal Tiere dort gesichtet. 1937 zählte die Kolonie über 2000 Individuen. Vermutlich stammten die Tiere aus der Universität Montana in Missoula. Das reichliche Angebot an Nahrung, Wasser und Unterschlüpfen sowie wenige Raubtiere ermöglichte den Albinoratten zu überleben, trotz Temperaturen unter - 25°C. Diese Ratten legten Pfade an, die sie nie verließen. Einige der untersuchten Ratten hatten Leberzysten, verklebte Augen, Parasiten und einige jungen Ratten hatten Rachitis. Da die Tiere als Gesundheitsrisiko angesehen wurden, wurden Maßnahmen ergriffen sie zu töten.

Boice (1977) hielt in einem komplett geschlossenen, großen Freigehege 5 weibliche und 5 männliche Ratten, welche er über zwei Jahre beobachtete. Sowohl männliche als auch weibliche Ratten legten Baue an welche sich nicht von denen der Wanderratten unterschieden. Mit einem Alter von 90 - 110 Tagen gruben die Tiere mit besonders großer Intensität. Zudem wurden Pfade im Revier angelegt, welche mit Urin markiert wurden. Nur weibliche Ratten legten mit dem gereichten Pelletfutter Vorräte an. Die Ratten reproduzierten sich erfolgreich und überlebten bei guter Gesundheit extreme Temperaturen unter – 30°C. Bei besonders kaltem Wetter suchten bis zu 20 Ratten gemeinsam einen Unterschlupf aus. Es bildeten eine stabile Population von 50 Ratten über 5 Generationen. Die Fortpflanzung erfolgte hauptsächlich im Frühjahr und Herbst.

Urheber: Dr. M. Berdoy; ratlife.org

Berdoy (2003) hielt 50 domestizierte Ratten der Zuchtstämme Wistar und Lister Hooded in einem Gehege in Oxfordshire. Geboren und aufgewachsen waren die Tiere in einem Labor. Obwohl die Tiere bislang nur Pelletfutter kannten lernten sie schnell Futter zu finden und zu selektieren. Sie legten Bauten und Wege an, bildeten soziale Hierarchien und pflanzten sich erfolgreich fort. Sie fingen mit der Zeit an erst nach Sonnenuntergang aktiv zu werden und wurden immer geschickter. Die Geschichte der Ratten mit vielen Videos kann unter ratlife.org angesehen werden.



Zuchtformen

Felltypen:

  • Standard
  • Rex
  • Teddy Rex
  • Double Rex, Patchwork oder Mock Hairless
  • Satin
  • Fuzz
  • Harley Coat oder Langhaar
  • Hairless oder Sphynx
  • Velour oder Velveteen
  • Velvet

Zeichnungen:

  • American Irish
  • Aurora
  • Baldie
  • Banded
  • Bareback
  • Berkshire
  • Blazed
  • Blazed Banded
  • Blazed Berkshire
  • Blazed Capped
  • Blazed Essex
  • British Essex
  • Broken
  • Cap Stripe
  • Capped
  • Chinchilla
  • Collared
  • Dalmatian
  • Downunder
  • English Berkshire
  • English Irish
  • Halo
  • Headspotted
  • Headspotted Berkshire
  • Himalayan
  • Hooded
  • Hooded Broken
  • Hooded Short
  • Husky
  • Irish
  • Jester
  • Masked
  • Merle
  • Patched
  • Possum
  • Self
  • Siamese
  • Speckled
  • Split Capped
  • Spot Capped
  • Tortishell (Calico) (Mosaic)
  • Triamese
  • Tricolour
  • Turpin
  • Van
  • Variberk
  • Varigated
  • Zipper


Urheber: Socar Myles; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: braindamaged; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Geek2Nurse; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Geek2Nurse; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: braindamaged; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber:Phoenix Dark-Knight; Commons-Lizenz; Orginal (Mai 2013)
Urheber: braindamaged; Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)




Literatur

Berdoy M. (2003): ratlife.org, Aufruf 29.06.2013

Boice (1972): Some behavioral tests of domestication in Norway rats. Behavior 42: 198-231

King HD., Donaldson HH. (1929): Life processes and size of the body and organs of the gray Norway rat during ten generations in captivity. American Anatomical Memoirs. 14: 1 -106

Minckler J, Pease FD. (1938): A colony of albino rats existing under feral conditions. Science. 87: 460-461

Richter, C.P. (1954); The effects of domestication and selection on the behavior of the Norway rat.; J. National Cancer Inst. (Bethesda) 15, 725 – 738

Robinson, R. (1984); Norway rat.; in: K. MASON (Hrsg.): Evolution of domesticated animals.; FAO, Rome, S. 284 – 290

Schmidt, G. (1985); Hamster, Meerschweinchen, Mäuse und andere Nagetiere.; 2. Aufl. Verlag Ulmer, Stuttgart, S. 196 – 204

Svihla, A. (1936): The occurence of albino and spotted rats under feral conditions. American Naturalist. 70: 403-404