Haltung


Kapitel

Gruppenhaltung


Urheber: Dawn Huczek; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013) Urheber: Socar Myles; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)


Grundlagen zur Tierhaltung: Haltung - Artgerechte Haltung


Umweltfaktoren

Nach Schleif (2001) wird bei Laborratten eine Raumtemperatur von ca. 18 - 24 °C empfohlen. Temperaturabsenkungen während der Nacht sollten erwogen werden. In Wahlversuchten zeigten Ratten eine Präferenz für Umgebungen mit 16 °C. Die relative Luftfeuchte sollte zwischen 45 % und 65 % liegen. Der Lichtrythmus (hell/dunkel) sollte bei 12/12 Stunden liegen.

Nach Döring (1999) sollte die Umgebungstemperatur nicht konstant sein, damit die Tiere die Wahl haben und sich bei Bedarf für eine passende Temperatur entscheiden können.



Platzbedarf

Angaben aus der Literatur

Zur nötigen Größe des Geheges gibt es unterschiedliche Angaben. Diese Angaben können sich auf Maße in Zentimetern oder Angaben in Volumen beziehen. Allerdings ist es fraglich ob sich diese Maße tatsächlich an den Bedürfnissen von Ratten orientieren und eine artgerechte Haltung auch nur im Ansatz ermöglichen. Die hier genannten Maße sind daher keine Empfehlung, sondern ausschließlich eine Darstellung.


Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz empfiehlt für 2 - 3 Ratten eine Käfiggröße von 100 x 50 x 100 cm ( L x B x H ) cm groß oder ein Turmbau von 70 x 50 x 120 cm in mehreren Etagen.

Der Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland empfiehlt (Stand Mai 2013) eine Mindestgrundfläche von 0,4 m² (Etagen nicht einberechnet), keine Seite kürzer als 50 cm und eine Mindesthöhe von 80 cm. Folgende Käfigmindestgrößen werden empfohlen:

  • 3 Ratten: ca. 320 l (z.B. 0,8 m L x 0,5 m B x 0,8 m H)
  • 4 - 5 Ratten: ca. 500 l (z.B. 0,8 m L x 0,75 m B x 0,86 m H)
  • 6 - 8 Ratten: ca. 600 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1 m H)
  • 9 – 15 Ratten: ca. 900 l (z.B. 1,2 m L x 0,5 m B x 1,5 m H)


Auf verschiedenen Info-Seiten über Ratten im Internet finden sich folgende Maße:

  • Diebrain.de (Stand 07.05.2013): Für ein kleines Rudel bis 4 Tiere mindestens L x B x H 100 x 60 x 180 cm, Mindestgrundfläche 0,5 m²
  • ratten.nagetiere-online.de (Stand 07.05.2013): Für zwei Ratte mindestens L x B x H 100 x 50 x 80 cm
  • rattenforum.de (Stand 07.05.2013): Mindestgröße für zwei Ratten 80 x 50 x 80 cm


Abbildung 1: Schematische Darstellung von Ratten auf den empfohlenen Mindestmaßen mit Grundfläche 80 x 50 cm (links) und 100 x 60 cm (rechts) ausgehend von einer Körperlänge von 26 cm und einer Schwanzlänge von 22 cm.



Ansprüche an die Fläche

Ratten stellen verschiedene Ansprüche an ihren Lebensraum. Ein Käfig muss ausreichend groß sein um diese Bedürfnisse zu erfüllen. Die Käfiggröße darf sich nicht danach richten, was es im Zoohandel zu kaufen gibt oder was bei jedem noch ins Wohnzimmer passt, sondern sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren.


Was beachtet werden muss:

  • die Körperlänge beträgt durchschnittlich 22 - 26 cm und die Schwanzlänge 18 - 22 cm. Ratten können sich auf verschiedene Weise fortbewegen (Artikel: Anatomie - Fortbewegung). Ratten benötigen ausreichend Fläche, um dieser Bewegung nachzukommen und alle Fortbewegungsarten ohne Einschränkung ausführen zu können
  • es werden Baue angelegt (Artikel: Wildlife - Habitat und Baue). Ausreichend Buddelmöglichkeiten müssen vorhanden sein, die Tiere dürfen nicht durch einstürzende Bauten und darauf stehende Objekte gefährdet werden
  • Ratten unterteilen ihren Bau in verschiedene Kammern (Artikel: Wildlife - Habitat und Baue). Die Fläche muss ausreichen eine entsprechende Raumtrennung zuzulassen
  • bei Konflikten zwischen den Ratten müssen die Tiere ausreichend Möglichkeiten haben einander ausweichen zu können. Bei Beobachtungen flüchteten selbst nicht verfolgte Ratten nach einem Konflikt 2 - 3 m weit (Artikel: Wildlife - Lebensweise und Verhalten).
  • die Ratten müssen ausreichend Fläche haben, um auch auf Distanz miteinander kommunizieren und damit Konflikte reduzieren zu können (Döring 1999)
  • Individualdistanzen müssen eingehalten werden können
  • eine ausreichende Strukturierung der Fläche muss möglich sein ohne die Tiere in ihrer Bewegung einzuschränken


Urheber: Joanna Servaes; GNU FDL; Orginaldatei (Mai 2013) Urheber: Daves Portfolio; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013) Urheber: Klara; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Lindsay; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013) Urheber: Lindsay; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)



Ansprüche an den Strukturierung


Beobachtungen im Freiland zeigen, dass Farbratten noch über den Großteil ihres natürlichen Verhaltensrepertoires verfügen. Daher ist es möglich, sich an der Lebensweise verwilderter bzw. wilder Ratten zu orientieren.

  • Ratten legen in freier Natur Bauten an, welche sehr komplex sein können (Artikel: Wildlife - Habitat und Baue). Das Gehege sollte daher ausreichend Buddelmöglichkeiten bieten und ausreichend Versteckmöglichkeiten, die diesen Ansprüchen recht werden
  • klettern ist eine natürliche Fortbewegungsart (Artikel: Anatomie - Fortbewegung) der Ratten und sollte möglich sein
  • Ratten legen in ihrem Revier Pfade an, welche sie regelmäßig begehen und markieren. Ratten benötigen daher ausreichend Lauffläche, auf der sie sich bewegen können (Artikel: Wildlife - Lebensweise und Verhalten)
  • unter natürlichen Bedingungen bilden Ratten Kolonien, in denen sich wiederum Gruppen von bis zu 6 Weibchen und ein oder mehreren Männchen bilden (Artikel: Wildlife - Lebensweise und Verhalten). Die Gruppengröße sollte daher, sofern nicht ein großes Gehege vorhanden ist, welches mehrere Bauten beinhalten kann, entsprechend angepasst sein
  • eine ausreichende komplexe Gestaltung fördert die Ratten, tägliche Beschäftigung ist ebenfalls wichtig
  • verschiedene Untergründe sind ebenfalls sinnvoll, um die Tiere zu fördern und bieten genauso wie Auslauf Abwechslung



Gruppenhaltung

Ratten sind sehr soziale Tiere. Das grundlegende Bedürfnis von Ratten nach Sozialkontakt zeigt sich schon daran, daß bereits eine eintägige Kurzzeitisolation der Ethanol- und Opiatkonsum der Tiere signifikant steigert (Schneider 2004).


Nach Schleif (2001) sind isoliert gehaltene Ratten ängstlicher, haben ein geringeres Körpergewicht, eine niedrigere Lebenserwartung und einen, im Vergleich mit Ratten aus Gruppenhaltung, gesteigerten Futterverbrauch. Außerdem zeigen Ratten aus Isolationshaltung diverse Veränderungen biochemischer Parameter wie Tendenz zu arteriellem Bluthochdruck.

Unter natürlichen Bedingungen bilden Ratten Kolonien, in denen sich wiederum Gruppen von bis zu 6 Weibchen und ein oder mehreren Männchen bilden (Artikel: Wildlife - Lebensweise und Verhalten). Nach Schleif (2001) muss bei der Gruppengröße darauf geachtet werden, dass sich nur bei einer für das dominante Tier kontrollierbaren Zahl von Käfiggenossen eine stabile Rangordnung herausbilden kann. So können Gruppen von 2 - 5 Böcken eine stabile Rangordnung ausbilden, was bei Populationen von 6 und mehr Böcken nicht der Fall ist. Eine optimale Gruppengröße ist nach Schleif (2001) daher 3 - 4 Ratten.


Urheber: Sarah Fleming; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Lindsay; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Beringar; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: Lindsay; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)
Urheber: rattyfied; Creative Commons-Lizenz; Orginaldatei (Mai 2013)




Literatur

Doering D. (1999): Käfigraumausnutzung bei Laborratten, Dissertation, Berlin

Schleif O. (2001): Ein Beitrag zur tiergerechten Haltung der Ratte anhand der Literatur, Dissertation, Tierärztliche Hochschule Hannover

Schneider M. (2004): Pubertäre chronische Cannabinoidbehandlung nach neonataler Cortexläsion: Effekte auf emotionale, soziale und kognitive Verhaltensleidtungen der Ratte, Bremen

Verein der Rattenliebhaber und -halter in Deutschland; www.vdrd.de (Stand 07.05.2013)

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e.V. - Merkblatt Ratten (Stand 07.05.2013)